Kalte Heimat

Was heißt woher?

Ich bin bei den Großeltern großgewachsen, mein Vater ist im Krieg geblieben, meine Mutter wurde nach Russland verschleppt.

Heute im Nachhinein sage ich, ich hatte so großes Glück. Mir wurden Werte vermittelt, die man mit Geld nicht kaufen kann: Was Anstand ist, was Respekt ist und was schön ist im Leben. Meine Großmutter hat an das Gute vom Menschen immer geglaubt und das mach ich auch.

Das war dann so eine Stimmung, die Leute wollten nur in die Freiheit. Ohweia, Freiheit! Heute kann ich drüber sprechen, aber damals war das schon … Man kommt in ein fremdes Land, man kann die Sprache, man hat aber kein Geld, alles kostet. Und man hat nichts. Dann musste man zum Sozialamt gehen, das war für mich, als ob ich betteln gehe.

Und der eine Mann auf dem Arbeitsamt hat dann immer gesagt: „Meine Dame, eins kann ich Ihnen sagen, damit Sie hier gut sind, müssen Sie besser sein wie die Leute von hier“. Und er hat Recht gehabt. … Ich war in meinem Leben nur Pfarrer und Bürgermeister nicht, sonst hab ich vieles gearbeitet, vieles ausprobiert. Und das ist mir immer zugute gekommen, auch hier in Deutschland.

Auf Facebook bin ich in Tracht und hab gedacht, niemand will mit mir befreundet sein. Oh weia, so viel junge Freunde hab ich. Hätt‘ ich gar nicht gedacht.

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