Kalte Heimat

Was heißt woher?

Neumarkt/Oberpfalz, das war dann unsere erste Station. Und früher waren auf jedem Bahnhof so große Pumpen, Wasserpumpen zum Füllen der Dampflok. Und dann erzählt meine Mutter mir, da habe ich das erste Mal deine Windeln gewaschen. Heute ist das ein moderner Bahnhof, es gibt keine Eisenbahnschwellen, es gibt nur Betonschwellen. Aber es gibt einen kleinen Steg am Bahnhof und da sind diese Holzschwellen und ich denke in meinen Rückerinnerungen, die je älter desto intensiver werden, das sind die Schwellen von damals. Vielleicht bist du über diese Schwellen gefahren als Kind in dieser Zeit, ja.

Und von diesen Ankunftsort Neumarkt ging´s auf ein oberpfälzisches Dorf. Und da gab´s im nächsten Dorf einen sehr mildtätigen Bäcker, er bleibt ein Leben lang unvergessen. Also dankbar und liebevoll erinnere ich mich an den Bäckermeister, die ganze Bäckerfamilie, sehe sie alle vor mir, öffne oft in Gedanken wieder die Tür zur wärmenden Backstube, erinnere mich an Backstubengeruch, Wärme vor allem. Sowohl Wärme auf der Haut als auch Wärme im Herzen. Beides vermittelten der Bäcker und seine Familie. Sie spüren das natürlich als Kind, wenn Sie drei, vier, fünf sind, Sie spüren wer gut ist, ja. Die Herzlichkeit, die Großzügigkeit ein Brot ohne Marken zu vergeben, und auch manches Gespräch des Bäckers mit meinem Vater, meiner Mutter und meiner Schwester im gut gewärmten Bäckerladen oder in der noch wärmeren Backstube waren wichtige, tröstliche Lichtblicke. Oder wer halt auch herzlich war in diesen Zeiten, bleibt fest in Erinnerung.

Ulrike Zischka – Hörprobe 1
Ulrike Zischka – Hörprobe 2
Ulrike Zischka – Hörprobe 3