Kalte Heimat

Was heißt woher?

Ich komme aus Paris in Bessarabien. 1940 wurden wir umgesiedelt. Zuerst lebten wir ein Jahr in Dresden in einem Lager, dann bekamen wir einen Aussiedlerhof im Warthegau im heutigen Polen. Wir waren ja Bauern. 1945 sind wir vor den Russen geflohen. Im Winter, bis nach Brandenburg. Am 3. April ’46 sind wir nach Trebur gekommen. Hierher.

Wir haben ein Platt gesprochen, ähnlich wie das Ostpreußische. Kaschubisch. Wir sind ja praktisch zweisprachig aufgewachsen, platt und auch hochdeutsch. Aber die Sprache, das war so, des war so ganz anders, also das ist… das passt net hier rein, es ist gar nix, gar nix davon übernommen worden. Ich kanns net mehr. Geht nicht mehr. Ich habs seit 50 Jahren nicht mehr gesprochen. Das war eine Sprache, die konntste hier nicht sprechen. Und ich hatt hier net viel Verbindung mit Kindern von da. Und mit den Erwachsenen ist man selten zusammengekommen, ne. Und da… das war einfach nicht möglich.

Meine Tochter, die Sigrid, die hat mal Russisch studiert. Und die hat über mich gesagt: „Vater, wir fahren mal nach Bessarabien!“ Hab ich gesagt: „Sigrid, lass mich das so in Erinnerung behalten, so wie ich’s im Kopf hab.“ Eine Cousine von mir, die war vorn paar Jahren dorthin. Man kann so Rundreisen machen. Und die hat dann Bilder mitgebracht: Die Kirche, der… der Turm weg, vergammelt alles. Und alles, die Häuser, die Straße, das ist, das hat, war nicht… Man kann auch dort net übernachten. Das … ich bin froh, dass wir net hingefahren sind. Dass ich’s so in Erinnerung hab, wie das war.

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